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Spargel auf niederrheinische Art – Im „Haus Deckers“, Walbeck, geht die Hauptsaison bis zum Johannistag – Die deutsche Gaststätte – Deutsche Hotel-Zeitung (später AHGZ) vom 31.05.1969 von blw.

Walbeck (Niederrhein). Die Linden am Walbecker Markt zögerten in diesem Jahr lange, bis sie zaghaft ihr erstes Grün zeigten. Frau Maria D e c k e r s und ihr Mann Willi, Besitzer des „Haus Deckers“, am ganzen Niederrhein als „Spargelhaus“ bekannt, schauten oft auf die Linden vor ihrer Gasstätte, deren erstes Grün auch den ersten Spargel ankündigt.

1969 verspäteten sich Lindengrün und Spargel fast um 14 Tage. Das bedeutet, daß die Spargelsaison, die am Niederrhein mit dem Johannistag (24. Juni) zu enden pflegt, und damit auch der Verdienst arg beschnitten wird. Auch hier gilt die alte Weisheit, daß sich einmal verlorene Zeit nicht mehr einholen läßt. Nach dem 24. Juni verschwinden auch die bunten Girlanden, die auf Walbecks „hille“ Zeit, die Spargelsaison, hinweisen. Gegenwärtig kommen die Freunde des Delikateßgemüses von weit her, von Köln, Düsseldorf, Krefeld und besonders aus dem Ruhrgebiet, um die Güte des Walbecker Spargels auf die Probe zu stellen.

Frau Maria Deckers, deren Familie seit 1863, also über hundert Jahre, die Gastwirtschaft und Bäckerei am Markt besitzt, hält es mit der klassischen Zubereitung des Spargels. Am Niederrhein „steht“ man auf gekochten Spargel, neuen Kartoffeln, viel Buttersoße, dazu gekochten oder rohen Schinken, vielleicht dazu auch einmal ein Schnitzel oder hartgekochte Eier. Die Gourmets, die vom „Rad“ in Überlingen den besonderen Geschmack des Spargels mit süßer oder saurer Sahne oder gar mit Schlagsahne gewohnt sind, kommen in Walbeck weniger auf ihre Kosten. Am Niederrhein ist man deftiger in der „Genüsslichkeit“.

1800 Taler preußische Courant kostete das Haus, wie der noch vorhandene Kaufvertrag vom 19.2.1863 ausweist. …
1911 wurde in dem Gasthaus die Walbecker Postagentur eingerichtet, die Hermann Deckers den Rang eines Posthalters einbrachte. Bis 1950 waren Deckers Posthalter, Bäcker und Wirte in einer Person.

Nach dem ersten Weltkrieg kam die Entwicklung Walbecks zum Spargeldorf, die 1945 von der englischen Besatzung jäh gestoppt wurde. Spargel war für die hungernde Bevölkerung nicht notwendig, sondern Getreide. Darum wurde zum großen Zorn der Walbecker der Befehl erlassen, dass die letzten verbliebenen Spargelbeete einzuebnen seien und auf dem so gewonnen Land Getreide anzupflanzen sei. Noch heute sind viele Walbecker der Ansicht, dass der Befehl keineswegs aus Sorge um die Bevölkerung gegeben worden sei, dessen Beachtung die Besatzungsbehörde mit harten Strafen erzwang. Besonders verbittert waren die Einwohner, weil die Anlage einer Spargelkultur bis zum ersten Stich drei lange Jahre Arbeit fordert. Rund 15 Jahre hat der Spargelbauer dann Ertrag von der Kultur. Rund 500 Morgen Spargelland wurden damals zweckentfremdet. 1957 waren es wieder rund 400 Morgen, auf denen Spargel angebaut wurde. Dann kam ein neuer Schlag für die Spargelbauern. Eine amtliche Flurbereinigung wurde durchgesetzt, bei der die Familie Deckers ihre ganzen Spargelanlagen einbüßte. 1965 war der Spargelanbau auf etwas über 100 Morgen geschrumpft; jetzt hat er wieder rund 150 Morgen erreicht. Besonders nachteilig macht sich der Mangel an Stecherinnen bemerkbar, so dass heute nur Familienbetriebe kleine Kulturen erhalten können. In guten Jahren bringt übrigens der Morgen Spargelkultur rund 20 Zentner Spargel, der von Anfang Mai bis zum 24. Juni geerntet sein will. Alle Bemühungen, die Ernte durch Maschinen zu rationalisieren, sind gescheitert, da der Spargelbauer auf das Fingerspitzengefühl seiner Stecherinnen – Männer sind meist ungeeignet – angewiesen sind.

Frau Deckers kann mit beredten Worten von der Arbeit des Spargelstechens erzählen, die sie selbst jahrelang ausgeübt hat. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren Stecherinnen auf dem Feld, wenn der Spargel an schwülheißen Tagen richtig schoß. „Glauben Sie, dass wir damals überhaupt nur eine Stange Spargel hätten essen mögen? Manchmal beteten wir abends um kühles Wetter, damit sich unsere müden Rücken einmal ausruhen konnten. Es dauerte bis weit über den Johannistag hinaus, bis viele von uns wieder aufrecht gehen konnten nach der Bückerei auf dem Feld.“

Wahrscheinlich sind es diese Jugenderfahrungen, die es Frau Deckers nicht bedauern lassen, dass sie ihren Spargel jetzt auf den Versteigerungen kauft, die die Genossenschaft der Spargelbauern abhält. Dafür bedauert sie umso mehr, dass die alten Bräuche um den Spargel, wie das Spargelfest und die Wahl der Spargelkönigin, in Vergessenheit geraten sind. Aber auch ohne Spargelfest und Spargelkönigin ist das Dorf besonders an Wochenenden von den Spargelessern überlaufen.

Haus Deckers GbR - Poststube und Posthotel am Markt - Walbecker Markt 1 D - 47608 Geldern / Walbeck
Telefon +49 (0) 28 31 / 30 80 - Telefax +49 (0) 28 31 / 65 75 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!