Sein letzter Gang – Niederrheinische Landeszeitung vom 01.08.1935

Walbeck. Am Dienstagmorgen wurde der weit über unsere Gemeinde geachtete Wirt und Bäckermeister Hermann D e c k e r s zu Grabe getragen. Ein überaus großer Leichenzug gab dem Verstorbenen auf seinem letzten Gange das Geleite. Der Musikverein und der Pfarrcäcilienchor, denen der Verstorbene jahrzehntelang angehörte, waren vollzählig zur Stelle, um ihrem treuen Mitglied die letzte Ehre zu erweisen. Der Kirchenvorstand, Vorstand der Spar- und Darlehenskasse, Vertreter der Postbehörde, Wirteverein und St. Antonius- und Sebastianusbruderschaft und zahlreiche Trauergäste von nah und fern waren herbeigeeilt, um dem Mann, der in seiner Heimatgemeinde so viel zum Wohle der Allgemeinheit gewirkt hat, einen letzten Gruß zu sagen. Am offenen Grabe sang der Pfarrcäcilienchor ein Abschiedslied, der Musikverein spielte das Lied vom guten Kameraden und dann senkten sich die Fahnen zum letzten Male vor der offenen Gruft. Die zahlreichen Kranzspenden bewiesen deutlich, welcher Achtung und Beliebtheit sich der Verstorbene in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute; sein liebenswürdiges Wesen, sein offener und gerader Sinn, seine schlichte Einfachheit machten Ihn zu einem der letzten Menschen, die keinen zum Feind haben. Nun ist dieser gute und prächtige Mann von uns gegangen, sein Andenken aber wird bei allen, die ihn gekannt, unvergesslich bleiben!

Seit vier Generationen vor dem Ofen – Heute besteht die Bäckerei Deckers hundert Jahre – Rheinische Post vom 19.02.1963

WALBECK. Am heutigen Dienstag, dem 19. Februar, kann die Bäckerei Deckers auf ihr hundertjähriges Bestehen zurückblicken und diese hundert Jahre ist sie ununterbrochen im Besitz derselben Familie. Am 19. Februar 1863 erwarb Bäcker Wilhelm Deckers, geboren am 22.8.1823 in Hartefeld, mit seiner Ehefrau Maria Catharina de Stuers das heutige Anwesen am Marktplatz in Walbeck für 1800 Taler preußische Courant, wi es im Kaufvertrag heißt, den der Notar Alexander Albert Franoux zu Geldern ausfertigte.
Verkäufer war der Ackersmann Goswin W. Passer, wohnhaft in Straelen – Vorst. Letzterer hatte das Haus am Walbecker Marktplatz, flächenmäßig groß 51 Ruten und 80 Fuß, in einem öffentlichen Verkauf, der in der Wohnung des Beigeordneten Ludwig Leenen am 8. April 1861 stattfand, von den Eheleuten Jakob Paron und Petronella Ingenerf erworben, aber selbst hatte er es nicht bewohnt. Der Kaufpreis betrug 1861 1615 Taler plus 10% Aufschlag. Wilhelm Deckers scheint das Haus bereits vor dem endgültigen Kauf bezogen zu haben. Interessant an diesem Verkauf ist der Umstand, dass ausdrücklich vermerkt wird, auf dem Haus laste eine Rente von jährlich einem halben Pfund Wachs zugunsten der Kirche in Walbeck. In diesem Hause und in den dazu gehörigen Gebäulichkeiten befand sich eine Bäckerei, von wem sie vorher betrieben wurde, wird nicht erwähnt. Es heißt nach der Familientradition, Wilhelm Deckers, zunächst von Beruf Landwirt, habe erst das Bäckereihandwerk erlernt, als er das Haus am Markt erworben hatte.
           
Zugleich mit dem Kauf des Wohnhauses am Markt erwarb Wilhelm Deckers von Goswin W. Passer noch 2 Parzellen Ackerland, groß ein Morgen 86 Ruten. Weiter erwarb er von Peter Johann Passer aus Straelen ebenfalls am 19. Februar 1863 noch 3 Parzellen Ackerland, bzw. Wiese, groß zusammen 4 Morgen, 10 Ruten und 50 Fuß für einen Preis von 400 Talern. In dem Wohnhaus am Marktplatz betrieb Wilhelm Deckers neben der Bäckerei eine Schenkwirtschaft. Nach seinem Tode im Jahre 1886 übernahm Sohn Hermann Deckers den väterlichen Betrieb, der durch eine Kolonialwarenhandlung erweitert wurde und auch sonst durch Fleiß und Geschicklichkeit einen bedeutenden Aufschwung nahm.

Als Schenkwirt war Hermann Deckers eine weit über die Gemeinde hinaus bekannte und geachtete Persönlichkeit, durch sein zuvorkommendes Wesen und seine Freundlichkeit bei allen beliebt. Im Jahre 1911 übernahm er nach dem Tode des Bürgermeisters Joh. Seyen auch die Postagentur Walbeck, die bis zum Ende des zweiten Weltkrieges im Jahre 1950 im Hause verblieb und zuletzt von der Tochter Maria verwaltet wurde. Nach dem Tode von Hermann Deckers (am 27.7.1935) übernahm sein Sohn Willi Deckers die Bäckerei und Schenkwirtschaft und führte den Betrieb in der dritten Generation in bewährter Weise fort. Die Entwicklung der Gemeinde Walbeck zum bekannten Spargeldorf am Niederrhein brachte es mit sich, daß Willi Deckers die Schenkwirtschaft zu einem Gasthof erweiterte (heute Gasthof „zu den drei Kronen“ genannt), der nicht nur in der Spargelzeit, sondern auch während des ganzen Jahres einen überaus lebhaften Zuspruch von Gästen vom ganzen Niederrhein erhält und sehr geschätzt ist.

Von den drei Söhnen des heutigen Besitzers ist der zweite (Berni) mit dem Vater zusammen in der Bäckerei tätig und wird voraussichtlich der vierte Bäcker in der Familientradition werden. Das Geschäftsjubiläum der Bäckerei Deckers darf wohl ein Anlaß sein, einmal Rückschau zu halten auf ihre Entwicklung und ihren Aufstieg zu der heutigen Bedeutung.

Die Spargelherrlichkeit wird aufgefrischt – Rheinische Post vom 19.04.1966 von Renate Wilkes-Valkyser

Walbeck. Zu den renommierten Spargelgaststätten in Walbeck gehört das Lokal Deckers. Zum Preis des Spargelessens will sich allerdings die Wirtin, Frau Deckers, noch nicht endgültig äußern. Sie möchte erstmal abwarten, wie teuer sie den Spargel einkaufen muß, den sie später ihren Gästen vorsetzen kann. Auf jeden Fall soll es aber Original Walbecker Spargel sein, der auf die Tische des Lokals Deckers kommt. „Den Ruf des Walbecker Spargels wollen wir nicht mit Ware riskieren, die anderswo oder sogar in Holland eingekauft wurde“, versichert Frau Deckers.
Die Familie Deckers gehört zu den Wirtsfamilien in Walbeck, die durch die Flurbereinigung eigene Spargelflächen verloren. Auf dem neuen Land, das die Familie Deckers zum Ersatz für die Verlustflächen bekam, werden neue Spargelflächen angelegt. Darin sind sich die Walbecker Spargelbauer einig: In Walbeck muß in Zukunft mehr Spargel angebaut werden. …

Spargel auf niederrheinische Art – Im „Haus Deckers“, Walbeck, geht die Hauptsaison bis zum Johannistag – Die deutsche Gaststätte – Deutsche Hotel-Zeitung (später AHGZ) vom 31.05.1969 von blw.

Walbeck (Niederrhein). Die Linden am Walbecker Markt zögerten in diesem Jahr lange, bis sie zaghaft ihr erstes Grün zeigten. Frau Maria D e c k e r s und ihr Mann Willi, Besitzer des „Haus Deckers“, am ganzen Niederrhein als „Spargelhaus“ bekannt, schauten oft auf die Linden vor ihrer Gasstätte, deren erstes Grün auch den ersten Spargel ankündigt.

1969 verspäteten sich Lindengrün und Spargel fast um 14 Tage. Das bedeutet, daß die Spargelsaison, die am Niederrhein mit dem Johannistag (24. Juni) zu enden pflegt, und damit auch der Verdienst arg beschnitten wird. Auch hier gilt die alte Weisheit, daß sich einmal verlorene Zeit nicht mehr einholen läßt. Nach dem 24. Juni verschwinden auch die bunten Girlanden, die auf Walbecks „hille“ Zeit, die Spargelsaison, hinweisen. Gegenwärtig kommen die Freunde des Delikateßgemüses von weit her, von Köln, Düsseldorf, Krefeld und besonders aus dem Ruhrgebiet, um die Güte des Walbecker Spargels auf die Probe zu stellen.

Frau Maria Deckers, deren Familie seit 1863, also über hundert Jahre, die Gastwirtschaft und Bäckerei am Markt besitzt, hält es mit der klassischen Zubereitung des Spargels. Am Niederrhein „steht“ man auf gekochten Spargel, neuen Kartoffeln, viel Buttersoße, dazu gekochten oder rohen Schinken, vielleicht dazu auch einmal ein Schnitzel oder hartgekochte Eier. Die Gourmets, die vom „Rad“ in Überlingen den besonderen Geschmack des Spargels mit süßer oder saurer Sahne oder gar mit Schlagsahne gewohnt sind, kommen in Walbeck weniger auf ihre Kosten. Am Niederrhein ist man deftiger in der „Genüsslichkeit“.

1800 Taler preußische Courant kostete das Haus, wie der noch vorhandene Kaufvertrag vom 19.2.1863 ausweist. …
1911 wurde in dem Gasthaus die Walbecker Postagentur eingerichtet, die Hermann Deckers den Rang eines Posthalters einbrachte. Bis 1950 waren Deckers Posthalter, Bäcker und Wirte in einer Person.

Nach dem ersten Weltkrieg kam die Entwicklung Walbecks zum Spargeldorf, die 1945 von der englischen Besatzung jäh gestoppt wurde. Spargel war für die hungernde Bevölkerung nicht notwendig, sondern Getreide. Darum wurde zum großen Zorn der Walbecker der Befehl erlassen, dass die letzten verbliebenen Spargelbeete einzuebnen seien und auf dem so gewonnen Land Getreide anzupflanzen sei. Noch heute sind viele Walbecker der Ansicht, dass der Befehl keineswegs aus Sorge um die Bevölkerung gegeben worden sei, dessen Beachtung die Besatzungsbehörde mit harten Strafen erzwang. Besonders verbittert waren die Einwohner, weil die Anlage einer Spargelkultur bis zum ersten Stich drei lange Jahre Arbeit fordert. Rund 15 Jahre hat der Spargelbauer dann Ertrag von der Kultur. Rund 500 Morgen Spargelland wurden damals zweckentfremdet. 1957 waren es wieder rund 400 Morgen, auf denen Spargel angebaut wurde. Dann kam ein neuer Schlag für die Spargelbauern. Eine amtliche Flurbereinigung wurde durchgesetzt, bei der die Familie Deckers ihre ganzen Spargelanlagen einbüßte. 1965 war der Spargelanbau auf etwas über 100 Morgen geschrumpft; jetzt hat er wieder rund 150 Morgen erreicht. Besonders nachteilig macht sich der Mangel an Stecherinnen bemerkbar, so dass heute nur Familienbetriebe kleine Kulturen erhalten können. In guten Jahren bringt übrigens der Morgen Spargelkultur rund 20 Zentner Spargel, der von Anfang Mai bis zum 24. Juni geerntet sein will. Alle Bemühungen, die Ernte durch Maschinen zu rationalisieren, sind gescheitert, da der Spargelbauer auf das Fingerspitzengefühl seiner Stecherinnen – Männer sind meist ungeeignet – angewiesen sind.

Frau Deckers kann mit beredten Worten von der Arbeit des Spargelstechens erzählen, die sie selbst jahrelang ausgeübt hat. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren Stecherinnen auf dem Feld, wenn der Spargel an schwülheißen Tagen richtig schoß. „Glauben Sie, dass wir damals überhaupt nur eine Stange Spargel hätten essen mögen? Manchmal beteten wir abends um kühles Wetter, damit sich unsere müden Rücken einmal ausruhen konnten. Es dauerte bis weit über den Johannistag hinaus, bis viele von uns wieder aufrecht gehen konnten nach der Bückerei auf dem Feld.“

Wahrscheinlich sind es diese Jugenderfahrungen, die es Frau Deckers nicht bedauern lassen, dass sie ihren Spargel jetzt auf den Versteigerungen kauft, die die Genossenschaft der Spargelbauern abhält. Dafür bedauert sie umso mehr, dass die alten Bräuche um den Spargel, wie das Spargelfest und die Wahl der Spargelkönigin, in Vergessenheit geraten sind. Aber auch ohne Spargelfest und Spargelkönigin ist das Dorf besonders an Wochenenden von den Spargelessern überlaufen.

Spargel-Geburtshelfer für „Schnauferl-Club“ – 1. Veteranentreffen im Spargeldorf Walbeck – Niederrhein Nachrichten vom 03.06.1980 von Ralf Geraedts

WALBECK. Motoren knattern, funkelnde und blitzende Karossen rollten durch die schmalen Straßen, die Fahrer teilweise in typischer Kluft, mit Sonnenbrille und Schlägerkappe. Die Rede ist vom ersten Veteranentreffen im kleinen Spargeldorf Walbeck bei Geldern. Über hundert Liebhaber der beliebten „Schnauferl“, organisiert im Allgemeinen Schnauferl-Club (ASC), Landesgruppe Rhein-Ruhr, gaben sich Sonntagnachmittag im Walbecker Spargelrestaurant „Haus Deckers“ ein gemütliches Stelldichein. Anlaß für dieses Treffen war eine Spargelfahrt, die am Morgen in Neersen bei Willich gestartet wurde. In langer Reihe „schnauften“ die polierten Automobilveteranen durch die niederrheinische Landschaft, die Besatzungen picknickten am Poelvensee und ein typisches Spargelessen gemäß des Mottos des Ausflugsfahrt dampfte dann in Walbeck, wo die Sieger eines Spargel-Quiz geehrt und ein „Allgemeiner Spargelclub, Bezirksgruppe Niederrhein“ aus der Taufe gehoben wurde.